berndione hat geschrieben:Cybermodding, Hasspostings usw. sind in den sozialen Netzen täglicher Alltag. Und da ist bei jemanden der sich mit einem Fakeprofil anmeldet und dessen IP Adresse nicht bekannt ist eine Verfolgung nicht möglich.
In diesem Fall würde ich die zeitlich begrenzte mit Richtervorbehalt versehene Speicherung befürworten. Die IP Adresse ist ja zunächst anonym. Erst wenn ein Richter entscheidet das der Provider die dazugehörige Person mitteilt, können die Strafverfolgungsbehörden zugreifen.
Bitte Zahlen nennen. Wie viele Hasspostings konnten in England oder Frankreich dadurch verhindert werden? Wie viele Hassposting-Schreiber können nicht ermittelt werden, weil die IP nicht vorliegt? Ich finde grade die Quelle nicht, aber hatte neulich irgendwo gelesen, dass die meisten Hasspostings klar zu Menschen zurückzuverfolgen sind, weil sich die Masse eben nicht anonym anmeldet. Ich habe weder das Gefühl, dass das der wichtigste Hintergrund der VDS ist. noch dass es sich dafür lohnt, die VDS zu realisieren. Aber man möge mich mit Zahlen überzeugen.
berndione hat geschrieben:Was Ermittlungserfolge mit und ohne VDS betrifft, ein Beispiel. Auch die die Speicherung von Videoüberwachung ist eine Form von VDS. Den sogenannten Beriner U-Bahn Treter hätte man ohne die Speicherung nie gefasst.
Wo du schon Videoüberwachung erwähnst:
Nun konnte die Bürgerrechtsgruppe Humanistische Union die Offenlegung des Berichts (PDF-Dokument) erzwingen, den die BVG bisher verweigert hatte. Danach führte die Videoüberwachung und -aufzeichnung auf den drei U-Bahn-Linien nicht zu einer sinkenden Kriminalitätsrate, sondern im Gegenteil sogar zu einem leichten Anstieg.
https://www.heise.de/newsticker/meldung ... 83294.html
Es gibt nur wenige Studien, die untersucht haben, ob Kameras überhaupt Einfluss auf die Kriminalität haben. Eine tat das am Beispiel der Berliner U-Bahn. Ergebnis: Die Überwachung verändert gar nichts. Eine andere Studie beschäftigte sich mit den Kameras in London, einer der am besten überwachten Städte der Welt. Auch hier das Fazit: Die Verbrechensrate sinkt nicht.
http://www.zeit.de/digital/datenschutz/ ... ettansicht
Eine Untersuchung von Statistiken verschiedener Londoner Stadtteile kam zu dem Ergebnis, dass kein Zusammenhang zwischen der Zahl von Videokameras und der polizeilichen Aufklärungsquote in einem Stadtteil bestand. Mehr Kameras führen also nicht zu einer höheren Aufklärungsquote.
http://www.daten-speicherung.de/index.p ... nd-london/
Auch Sicherheitsbehörden halten nichts davon, wenngleich aus einem anderen Grund: Die Kameras nutzen ihnen kaum. "Ein absolutes Fiasko" lautete 2010 das Urteil von Scotland Yard über "CCTV" (Closed Circuit Television). Nur drei Prozent der Straftaten in London werden durch Video aufgeklärt, macht etwa einen kriminellen Akt pro tausend Geräte und Jahr. Zwar haben die Kameras zur Aufklärung des U-Bahn-Attentats von 2005 beigetragen; aber verhindert haben sie bisher keinen einzigen Terroranschlag.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/v ... 96762.html
Dabei stellten sie fest, dass die Aufklärungsrate für Verbrechen in denjenigen Stadtteilen mit den meisten Überwachungskameras überwiegend unter dem Durchschnitt lag. Auf der anderen Seite lag sie in einigen Stadtteilen mit vergleichsweise wenigen Überwachungskameras zum Teil deutlich über dem Durchschnitt. Es ließ sich kein Muster erkennen, dass eine zunehmende Menge an Überwachungskameras mit einer höheren Aufklärungsquote bei Verbrechen einhergehen würde.
Videokameras ersetzen keine Polizeiarbeit. Ein Vergleich von London mit New York, den der American Spectator vergangenes Jahr anstellte, liefert dafür eindrucksvolle Belege. New York und London sind mit acht bzw. sieben Millionen Einwohnern ähnlich groß. Die Ausgaben für die Polizei sind ebenfalls vergleichbar. Allerdings werden die Mittel sehr unterschiedlich ausgegeben. Während New York 40 Prozent mehr Polizisten auf den Straßen hat, fließen in London deutlich größere Mittel unter anderem in die Videoüberwachung und die amtliche Verfolgung von "politisch nicht korrekten Äußerungen und Verhaltensweisen". Das Ergebnis der unterschiedlichen Polizeistrategien: "Aktuelle Schätzungen der Verbrechensraten gehen davon aus, dass die Verbrechensrate in London rund sieben Mal so hoch ist wie die von New York", so der American Spectator.
https://www.golem.de/0709/54913.html
berndione hat geschrieben:Man kann natürlich auch sagen meine persönliche Freiheit ist mir soviel wert, dass ich gegen jede Form der VDS bin. Ich bin bereit dafür auch inkauf zu nehmen, dass in Einzelfällen Straftäter nicht verfolgt werden können. Mein Standpunkt ist dies nicht. Aber ich akzeptiere wenn jemand so denkt.
Das Problem ist, dass es im Grunde keine Studien gibt, die die Effektivität von VDS oder Kameras oder ähnlichem belegen. Was wirklich helfen würde, wäre ein Aufbau von Sicherheitspüersonal in UBahnsationen, technische Filtermöglichkeiten von Netzwerken (semantische Prüfung o.ä.), etc. um Straftaten eben vor der Begehung zu verhindern. Das würde tatsächlich die Sicherheit und das Begehen von Straftaten verhindern. Videokamera oder VDS sind in meinen Augen leider nichts anderes als Symbolpolitik um mehr Sicherheit vorzugaukeln, ohne dafür wirklich Geld zu investieren. Wenn es seriöse Studien zum Erfolg von diesen Sicherheitsmaßnahmen gibt, gerne, aber ich kenne leider keine. Und London ist immer das leuchtende Negativbeispiel: Jede Milchkanne wird überwacht, aber es gibt weder weniger Straftaten noch ein höheres SIcherheitsgefühl, noch signifikant höhere Aufklärungsquoten. Weniger Überwachung, mehr Personal. Meine 50Cent zum Thema.
berndione hat geschrieben:Eine kurze Bemerkung zur Fußfessel: Das Äquivalent zur Fußfessel würde bedeuten, dass du nur noch Teile des Netzes nutzen darfst. Das ist der Zweck einer Fußfessel: Feststellung, dass ein bestimmter Raum nicht verlasssen bzw. betreten wird. Unabhängig davon dass ich dieses Argument deplaziert finde ist es auch sachlich falsch.
Falsch. Eine Fußfessel schränkt dich ja nicht ein. Du kannst hingehen wohin du willst, man kann es nur hinterher nachvollziehen. Genau wie die VDS. Du kannst machen was du willst, wo du willst, man kann es nur hinterher nachvollziehen.