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Dreispurige Datenautobahn in Jena
Verfasst: Sa 16. Apr 2016, 09:49
von Klee
Jena
„Seit 1997 haben die Stadtwerke parallel zu neuen Gas-, Wasser- oder Stromleitungen auch ein Glasfasernetz sowie vorausschauend Leer-Rohre verlegt, in die ohne neue Tiefbauarbeiten entsprechende Kabel eingezogen werden können“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Dirkes. Dieses schnelle Netz, das bislang vor allem für die betriebsinternen Datenströme genutzt wurde, öffnet der städtische Energieversorger nun auch für die Mieter des Tochterunternehmens Jenawohnen.
Das Vorhaben umfasst mehrere Teilschritte: Bis Ende 2017 erschließen die Stadtwerke rund 700 durch Tele Columbus versorgte Jenawohnen-Häuser mit modernen Glasfaserleitungen und schaffen so die technischen Voraussetzungen für die schnelleren Internetverbindungen. Dafür wird das Stadtwerke-Glasfasernetz bis zum jeweiligen Jenawohnen-Hauseingang „verlängert“. Dort „übernimmt“ Tele Columbus: Der Kabelanbieter erneuert die vorhandenen Hausnetze sowie die Multimedia-Antennendosen in den Wohnungen. Dies soll für die etwa 12 000 Jenawohnen-Haushalte bis Ende 2020 geschafft sein. Parallel dazu haben sich Jenawohnen und Tele Columbus auf verbesserte Konditionen für die TV-Grundversorgung ihrer Mieter verständigt. Diese treten zum 1. Dezember 2016 in Kraft.
So sinken die Kosten für die Grundversorgung mit hochauflösendem Fernsehen unter zehn Euro im Monat. „Neu ist außerdem, dass in jeder Wohnung ein Internet-Anschluss mit einer Geschwindigkeit von 2 Megabit pro Sekunde automatisch und ohne weitere Kosten dabei ist“, erklärt Jenawohnen-Prokurist Tobias Wolfrum
http://www.tlz.de/web/zgt/leben/detail/ ... -229161812
Das ist einmal ein gutes Beispiel, wie die Kooperation des Wohnungsunternehmens mit TC und den Stadtwerken kundenfreundlich wirken kann. Vor allem konnte Jenawohnen durch ihren hohen Wohnungsbestand einige Sonderkonditionen bei TC erwirken, die anderen Wohnungsunternehmen zeigen, dass bei Gestattungsverhandlungen durch hartes Verhandeln nutzbare Spielräume noch möglich sind.
Wenig Verständnis habe ich allerdings für den aufgeführten Zeitraum "bis Ende 2020" für TC mit dem Ausbau der Hausnetze. Das geht bei richtiger Organisation und sinnvollen Partnern(Sub's) viel schneller.
Re: Dreispurige Datenautobahn in Jena
Verfasst: Sa 16. Apr 2016, 10:16
von Sep
Das sehe ich nicht so, dadurch wird nur ein Monopol geschaffen, zwar ein begrenztes, aber es wird eins geschaffen.
Re: Dreispurige Datenautobahn in Jena
Verfasst: Sa 16. Apr 2016, 14:21
von Jogibär
@Sep
Dass du ein gestörtes Verhältnis zur Kabeltechnik hast, ist ja bekannt. Aber inwiefern hier ein Monopol entstehen soll, musst du mal erklären. Dass aufgrund der speziellen Funktionsweise des Breitbandkabels für den Endverbraucher jeweils keine Wahlmöglichkeit zwischen mehreren BK-Versorgern besteht, ist eine andere, grundsätzliche Sache.
In Jena dagegen findet sogar etwas richtig Gutes statt. Durch die Trennung zwischen Infrastruktur (zumindest dem Netz bis zu den Häusern) und dem Vertrieb ist TC von den Stadtwerken abhängig. Falls TC keinen ordentlichen Service und Leistung erbringt und sich die Kunden beschweren, könnten die Stadtwerke, die dort lokal sicher viel mehr wahrgenommen werden, die Verträge kündigen und sich einen anderen BK-Versorger als Vertriebspartner suchen oder sogar selbst als Anbieter auftreten. TC kann hier also nicht frei schalten und walten, wie ein Monopolist das könnte, sondern muss schon aufpassen wie sie agieren.
Re: Dreispurige Datenautobahn in Jena
Verfasst: Sa 16. Apr 2016, 18:11
von oschn
Man könnte den Leuten aber auch einfach die Entscheidung lassen, welchen Anbieter sie nehmen. So, wie das bei DSL ja auch funktioniert. Und das ist mit Glasfaser ebenso möglich. Denn das Angebot von TeleColumbus ist zwar nicht besonders schlecht, aber es ist auch nicht besonders anpassbar. Ich hätte z.B. gerne einen Anbieter mit größerem Upstream. Diese Kunden sind für TC aber nicht wichtig genug und deshalb wird dieses Feature nicht angeboten.
Aber es ist doch schon immer das Problem mit den Kabelanbietern gewesen, dass diese quasi das Monopol in der Region und insbesondere in den Mietwohnungen haben, und man nur die Wahl hatte "Friss oder Stirb". Es gab mal eine Zeit, da hatten die Kabelanbieter nichtmal Interesse daran, ein rückkanalfähiges Netz zu haben, um damit Internet anzubieten, und viele Kunden mussten notgedrungen weiter mit 56K oder ISDN surfen. Diese Gestattungsverträge sollten langsam mal abgeschafft werden, bzw. die Zwangsumlegung auf die Mietkosten verboten werden. Ich kenne mich nicht bis ins letzte Detail aus, deswegen kann es gut sein, dass es nicht so einfach möglich ist, Kabelinternet über einen anderen Anbieter zu beziehen, wie es bei DSL und Glasfaser (FTTH) anscheinend der Fall ist, aber das sollte ja nicht daran hindern, einzelne (Miet)Parteien aus dem Kabelvertrag auszunehmen. Hat der Kabelanbieter halt Pech gehabt.
Re: Dreispurige Datenautobahn in Jena
Verfasst: Sa 16. Apr 2016, 18:35
von Sep
Jogibär hat geschrieben:@Sep
Dass du ein gestörtes Verhältnis zur Kabeltechnik hast, ist ja bekannt. Aber inwiefern hier ein Monopol entstehen soll, musst du mal erklären. Dass aufgrund der speziellen Funktionsweise des Breitbandkabels für den Endverbraucher jeweils keine Wahlmöglichkeit zwischen mehreren BK-Versorgern besteht, ist eine andere, grundsätzliche Sache.
In Jena dagegen findet sogar etwas richtig Gutes statt. Durch die Trennung zwischen Infrastruktur (zumindest dem Netz bis zu den Häusern) und dem Vertrieb ist TC von den Stadtwerken abhängig. Falls TC keinen ordentlichen Service und Leistung erbringt und sich die Kunden beschweren, könnten die Stadtwerke, die dort lokal sicher viel mehr wahrgenommen werden, die Verträge kündigen und sich einen anderen BK-Versorger als Vertriebspartner suchen oder sogar selbst als Anbieter auftreten. TC kann hier also nicht frei schalten und walten, wie ein Monopolist das könnte, sondern muss schon aufpassen wie sie agieren.
Weil es durch Subventionen (hier weil die Kosten über die Nebenkosten von allen Mietern getragen werden) Technikkonkurrenz behindert wird.
Wieso sollte die Telekom oder ein FTTH Anbieter dieses Gebiet erschließen? Der DSL oder FTTH Anbieter müsste seine Kosten über die aktiven Kunden decken und wäre somit gegenüber TC im Nachteil. Da der FTTH Anbieter dadurch teurer ist als TC, würden dort nur wenige buchen. Nur die, die wirklich sehr hohen Upload brauchen.
FTTH amortisiert sich erst nach 15 Jahren. Also FTTH wird nach 15 Jahren billiger zu betreiben als BK. Aber das nur, wenn die Bedingungen gleich sind.
TC hat ein Vertrag über 10 Jahren, das ist bei Technik eine sehr lange Zeit. Und es scheint so, als ob alle, die über Segmentbelastung klagen, dort sind, wo Kabelinternet die einzig sinnvolle Möglichkeit ist, Internet zu beziehen.
Re: Dreispurige Datenautobahn in Jena
Verfasst: Mo 18. Apr 2016, 09:27
von Klee
Weil es durch Subventionen (hier weil die Kosten über die Nebenkosten von allen Mietern getragen werden) Technikkonkurrenz behindert wird.
Zu den in diesem Fall durch das Wohnungsunternehmen ausgehandelten guten Bedingungen für die Kunden gehört aber, das "Nebenkosten" in den Häusern(Installation bis zur MMD) durch TC getragen werden (2,5 Mio EUR)
https://www.telecolumbus.com/schnellere ... enawohnen/